A tribute to „Ute Lehr“ et al

Vor wenigen Tagen erhielt ich über die neue MenschheitsKommunikationsGeißel WhatsApp die Warnung vor einem angeblich extreeem gefährlichen SmartPhone Virus namens „Ute Lehr“. Keinesfalls sollte man diesen Kontakt und die dazugehörige Telefonnummer in sein Adressbuch aufnehmen. Diese Warnung sollte natürlich SOFORT an ALLE WhatsApp Kontakte weitergeleitet werden.

Originaltext:
„Sag mal bitte allen Leuten in deiner Liste, dass sie den Kontakt „Ute Lehr“ nicht annehmen sollen! Das ist ein Virus (über whatsapp) der zerstört die ganze Festplatte und zieht sich die Daten runter, wenn ihn einer deiner Kontakte erwischt, bist du auch betroffen, weil er sich durch die Liste frisst! Wenn dich die Nummer 01709626509 anruft, nimm ja nicht ab! Ist ein Hacker und es werden auch all deine Kontakte betroffen sein! Es ist heute morgen auch von EUROP1 und SAT1 bestätigt worden. Weiterleiten!!“

Neben der Frage, weshalb irgendjemand die Nummer einer unbekannten Person ins Adressbuch aufnehmen sollte ist auch auf den ersten Blick klar, dass das Weiterleiten und die Beschäftigung mit Text und Inhalt dieser SPAM Nachricht der eigentliche Virus ist. Nun denn – bei mir hat das funktioniert und ich habe folgende GegenschlagAntwortBlaupause formuliert:

WARNUNG!

Wenn Du diese WhatsApp Nachricht liest, wird sich die FloppyDisc & Datasette Deines Commodore 64 in Lichtgeschwindigkeit selbst zerstören. Du solltest SOFORT ein TWIX (formerly known as RAIDER) essen schauen und mich aus Deinen Kontakten löschen, damit Du mir und „Ute Lehr“ keine SPAM Meldungen mehr schicken kannst.

Irgendwann WEITERLEITEN an alle, von denen Du jemals SPAM erhalten hast, keinesfalls aber an „Ute Lehr“ – die gibt es nämlich genausowenig wie den nach ihr benannten Virus. Die Chefredaktion der Apotheken Umschau und Dr. Sommer von der BRAVO haben dies im vergangenen Jahrhundert mehrfach bestätigt.

Schau Dir aber unbedingt erst das angehängte lustige Katzenvideo an!

Thomas Müller, der 2.

Vor kurzem veröffentlichte Sport1 ein Ranking der teuersten Fussballer des Planeten. Quelle hierfür ist „das französische Magazin France Football“ welches „zusammen mit dem Internationalen Institut für Fußballstudien (CIES) anhand wissenschaftlicher Methoden“ die Liste erstellte.

http://www.sport1.de/fussball/2016/12/ranking-die-wertvollsten-fussballer-des-planeten

Die ersten Plätze verwundern kaum:

Platz 4 geht mit 130 Millionen EURO an Cristiano Ronaldo, welcher nun an einer massiven narzisstischen Selbstwertkrise leidet, weil er nicht einmal Bronze abbekommen hat. Als KrisenSofortintervention hat er sich daher 3 neue Sportwagen gekauft, in Unterhosen ablichten und nach einem Bad in Eselsmilch einer Ganzkörperepilation unterziehen müssen.
Platz 3 hat Antoine Griezman inne (135 Mio €). Den unscheinbaren Franzosen hatte niemand so recht auf der Rechnung und so hat er das nicht einmal selbst mitbekommen.
Platz 2 geht an Lionel Messi (190 Millionen EURO brutto). Er arbeitet mit seinem Berater an neuen Steuertricks, um diese Summe umgehend netto zu bekommen.
Platz 1 geht an Neymar (250.000.000 Einheiten der europäischen Einheitswährung). Die Mäzene von Paris St. Germain, Manchester City und 1860 München verdoppelten daraufhin ihre jeweiligen Angebote für den brasilianischen „Superstar“ in Diensten des FC Barcelona.

Nun habe ich ein Ranking der wertlosesten Fussballer des Planeten zusammengestellt.

Platz 3 geht an Donald Trump. Erstens weil der trotz deutscher Vorfahren überhaupt kein Fussball spielen kann und zweitens würde er in jedem Spiel bereits in der ersten Minute vom Platz fliegen, weil er sich mit den Schiedsrichtern, dem eigenen Trainerstab und den Clubchefs anlegen würde („You’re fired!“).
Platz 2 geht an Oscar Pistorius. Nein, nicht was Sie jetzt denken! Er wäre zwar ein hervorragend schneller Flügelflitzer, ist aber nach seiner Haftentlassung zu alt für eine Profikarriere.
Platz 1 geht an Thomas Müller. Thomas Müller kickt im Unterschied zu seinem Namensvetter vom großen FC Bayern München (belegt in oben zitierten Ranking immerhin Platz 10 mit 82 Millionen EURO) in der bayrischen Kreisklasse C. Trotz dieser geografischen Nähe könnten die fußballerischen Potenzen der Namensvetter also nicht weiter auseinander liegen: Thomas Müller, der 2. sitzt seit Jahren in der Kreisklasse auf der Bank. Sein Vater hat jedoch ein großes Unternehmen und würde einem aufnehmenden Verein einen Zuschuß von 1,2 Millionen EURO zukommen lassen. Bislang blieb das Angebot jedoch ungenutzt.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Mittwoch Morgen, ca. 7 Uhr:

Mann: „Arrgh, ich fühle mich schlecht: Husten, Halsweh, Schwindel, Kopf- und Gliederschmerzen. Aber ich werde Medikamente nehmen und trotzdem zur Arbeit gehen.“

Frau: „Oh, das ist aber nicht klug mein Schatz. Willst Du nicht lieber zu Hause bleiben?“

Mann: „Du hast Recht. Ich werde mich krank melden und mich auskurieren. Schließlich will ich ja auch niemand anstecken.“

Frau: „Sehr gut. Dann kann ich XYZ erledigen und Du kannst auf unser krankes Kind aufpassen.“

BREXXXIT

Also eins muss man den Engländer jetzt mal wirklich lassen: die ziehen die Sache mit dem BREXIT konsequent durch – bis hin zur englischen FussballNationalmannschaft. Das AchtelfinalSpiel Island vs. England fing ja schon kurios an: England verwandelt bei einem großen Turnier einen Elfmeter. Wann und wo gab’s denn sowas zuletzt?! Neben Premierminister David Cameron tritt nun auch der britische Nationaltrainer Roy Hodgson zurück. Als Leicester City sensationell die Meisterschaft der Premier League gewann, löste der ehemalige englische Nationalspieler Gary Lineker* seine Ankündigung ein und moderierte in Unterhosen seine Sendung auf BBC. Was wird er wohl im Fall eines isländischen Titelgewinns machen!?

However: Island gewinnt 2:1 gegen England und der entscheidende Treffer wurde tatsächlich durch einen Mann namens „Sigthorrson“ erzielt. Ja wie geil ist das denn!? Jetzt brechen wahrscheinlich in Island alle Dämme und alle Vulkane aus. Flugverbot für mindestens 6 Monate. Aber England kann ja auch durch den EuroTunnel nach Hause fahren, bevor sich die Insel dann geräuscharm von Europa abkoppelt.

*) „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ (Gary Lineker)

BREXIT

Die Briten sind raus.

Diese Nachricht verwirrt mich zunächst: gestern war doch ein spielfreier Tag bei der Fussball Europameisterschaft. Ich google nach Meldungen, welche über das Ausscheiden der englischen Nationalmannschaft durch einen blamabel in den französischen Abendhimmel geballerten Elfmeter berichten. Nichts! Englische Hooligans üben mit Russland erneut den 3. Weltkrieg und beide Nationen werden deswegen vom Turnier ausgeschlossen? Nein. Wayne Rooneys Haare gedopt, dadurch Disqualifikation der gesamten Mannschaft? Fehlanzeige. Im Gegenteil: England, Wales, Irland und Nordirland stehen alle im Achtelfinale der EM 2016.

Langsam ahne ich, dass es mit dem „BREXIT“ etwas anderes auf sich haben muss. Weitere Recherchen ergeben: England will weg von Europa. Geht das überhaupt? Gibt es so mächtige Schlepper, welche eine ganze Insel über den Atlantik ziehen können? Mit der Brent Spar hat’s ja damals funktioniert. Ich hole meinen alten Schulatlas raus: hmhmhm, blätterblätter, messschätzdenk – tatsächlich wären eine ganze Menge Seemeilen nötig, um genügend Abstand zwischen Europa und England zu bringen (oder heißt es nun eigentlich „Großbritannien“?!). Alternativ könnten doch alle 52% BREXIT Thommys auf die Falklandinseln umsiedeln. Und wieso überhaupt die ganze Hektik und der Aufwand mit Referendum und Allem, wenn sich die Angelegenheit durch Plattentektonik und Kontinentaldrift in ein paar Millionen Jahren ganz von selbst erledigen würde?!

Sehr verwirrend für mich, aber die Engländer (oder sind es die „Briten“?!?) waren schon immer etwas seltsam. Sie fahren auf der falschen Straßenseite, sprechen eine unverständliche aber vielfach exportierte Sprache und haben KochSitten, die man kaum als solche bezeichnen kann. Schottland will das Dilemma nun nutzen, um sich ihrerseits von England (oder „Großbritannien“?!) abzukoppeln. Warum bilden nicht eigentlich alle Abspalter eine neue GesamtNation? England aka Großbritannien, Schottland, Ukraine, das Baskenland, die Griechen und der islamische Staat werfen ihr Hab und Gut zusammen und Horst Seehofer kann dann endlich mal irgendwo Staatspräsident werden.

Mal wieder ist ein Problem genial gelöst und ich bin damit „raus“!

Der Albert, der Ron und ich

Heute bekam ich Post von der örtlichen Scientology Kirche e.V.:

„Wir nutzen nur 10% unseres geistigen Potenzials“,

wird Albert Einstein darin zitiert. Ich frage mich zunächst, wer genau mit „wir“ gemeint ist: alle Mitglieder von Scientology weltweit, lediglich die Mitglieder der hiesigen Vereinigung oder sind „wir“ nur Albert Einstein und L. Ron Hubbard. Dann stelle ich mir vor, was im letzteren Fall Albert Einstein erreicht hätte, wenn er auch die restlichen 90% seines geistigen Potenzials genutzt hätte. Hätte er dann den „Nobelpreis für Alles“ bekommen, den Weltfrieden gebracht oder gar die erste Staffel von „The voice of Germany“ gewonnen?! Und zu welchen Höchstleistungen wäre wohl L. Ron Hubbard mit den restlichen 90% seines Gehirns fähig gewesen? Hätte er im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ein Champion im BuntpapierMemory werden oder in einem soliden Handwerksberuf wie Fachkraft für Lagerlogistik reüssieren können? Diese Fragen werden niemals beantwortet werden können, da beide Persönlichkeiten das Zeitliche gesegnet haben oder zumindest als operierende Thetanen in eine andere Dimension transzendiert sind.

Berauscht von diesen ungeahnten Möglichkeiten bestelle ich mir sofort den „internationalen Bestseller No. 1“: „DIANETIK – Der Leitfaden für den menschlichen Verstand“ als Taschenbuch (16 EUR) und Hörbuch (33 EUR) sowie den Heimkurs für 25 EUR. Für einen entspannenden Filmabend gönne ich mir noch die DVD (17 EUR). Eine von 50 Sprachen kann ich wählen. Leider sind die verfügbaren Sprachen nicht aufgeführt und so entscheide ich mich spontan für Mongolisch (innere Mongolei). Dann kann ich gleich mein gestiegenes geistiges Potenzial nutzen und eine weitere Fremdsprache lernen. Beim nächsten Besuch im mongolischen Restaurant kann ich dann in der Landessprache ordern und mit dem Koch über die Zubereitung von Yak-Steaks am heißen Stein fachsimpeln. Dabei steigt mein geistiges Potenzial weiter und ich übernehme den Mongolengrill gleich vom Fleck weg als Geschäftsführer. Als erste Amtshandlung schmeiße ich alle Angestellten raus und stelle ausschließlich Mitglieder der örtlichen Scientology Kirche ein. Den Arbeits(Mindest)Lohn zahle ich in Prozenteinheiten geistigen Potenzials aus – davon hab ja bis dahin genug. Sobald ich mit meinem Mongolengrill „Zum Scientologen“ genug Geld gescheffelt und mein geistiges Potenzial auf 88 Phantastilliarden Prozentpunkte hochgeschraubt habe, mache ich eine ausgedehnte pandimensionale Urlaubsreise. In der Dimension, in der es mir am besten gefällt setze ich mich schließlich zur Ruhe, stoße mit Albert und Ron auf unser geistiges Potenzial an und rufe aus:

„Wir sind Papst!“

Vatertag – Revolutions

Am Vatertag ziehen ja viele Männer ungeachtet der Anzahl nachgewiesener Vaterschaften mit einem Bollerwagen oder einem vergleichbaren Fortbewegungsmittel (Fahrrad, Auto, torkelnd zu Fuß,…) durch die Gegend und fröhnen dem unkontrollierten Konsum psychotroper Kohlenwasserstoffverbindungen.

Als moderner Mann und zweifacher Papa möchte ich mich derlei sinnfreien Aktivitäten natürlich nicht anschließen. Am Vatertag werde ich also wie üblich von einer motzenden Tochter geweckt (plagende Mückenstiche werden am besten durch unkontrolliertes Strampeln der Beine und exzessives Jammern gelindert). Meine Frau stellt der üblichen Liste meiner Versäumnisse des Vortags sogar ein zärtlich gemurmeltes „‚N Morgen, mein Schatz“ voran. Aber heute sei ja mein Tag und ich dürfe mir aussuchen, wie ich diesen Vatertag verbringen möchte (Geschenk gibt es nicht, da meine Frau erst am Tag zuvor erfuhr, dass am folgenden Tag Vatertag sei). Nach einigen Fehlversuchen (SommerReifen aufziehen, zum Training gehen, Plattenspieler reparieren) komme ich zur großen Erleichterung meiner Frau endlich darauf, dass ich ja im Grunde genommen gerne eine Fahrradausfahrt mit der ganzen Familie machen will. Die erste Hürde ist also geschafft!

Weiter mit dem Vatertagsfrühstück: ich dusche mich kurz und ziehe mich an, um Brötchen zu holen. Nachdem ich mit meiner potenziellen, minderjährigen Begleitperson geklärt habe, ob sie nun tatsächlich mitkommt oder lieber nicht, welches Sportgerät verwendet wird (Fahrrad, Roller, Inlineskates, …), dass bitteschön ein Helm aufgesetzt wird, ein Kurzarm T-Shirt thermisch wirklich nicht ausreicht und welche Route zum Bäcker dem ausgewählten Transportmittel angemessen ist (Ein Tretroller kann laut meiner fachkundigen Begleitung KEINESFALLS auf kleinen Pflastersteinen gefahren werden) geht es 2 Stunden nach dem Aufstehen auch schon los zum Bäcker. Selbstverständlich hole ich das am Vortag versäumte ErledigungsPortfolio bei dieser Gelegenheit nach (Müll rausbringen, Socken wegräumen und Schnell-noch-mal-durchsaugen). Mit letzter Kraft erreiche ich den Bäcker, wo ich meiner Tochter alle Sonderwünsche erfülle und sie auch noch von der diensthabenden Bäckereifachverkäuferin ein Stück VatertagsSchokoMuffin zum Probieren bekommt, weil sie „sooo süß“ ist.

Als wir von dieser abwechlungsreichen Entdeckungsreise zurückkommen (drei Stürze vom Tretroller mit anschließendem Weinen und tröstendem In-den-Arm-genommen-werden, die Wohnhäuser von Julia, Jakob und Serkan, der Platz des KindergartenPicknicks von vor 3 Jahren, guck-mal-ein-toter-Regenwurm) verkündet mir meine Ehefrau, dass unsere jüngere Tochter zu Hause eine Diarrhoe etablierte und dass sich auch meine Frau nicht wohlfühle (grippaler Infekt, Differentialdiagnose akute PollenAllergie). So muss leider von dem VatertagsFahrradausflug, auf den ich mich schon so lange gefreut habe, abgesehen werden. Ich versuche, meine große Enttäuschung zu verbergen und mache Rührei und Speck für alle sowie ein Extra Rührei für die teilnehmenden Vegetarier. Die große Tochter ersetzt meinen genialen FahrradPlan mit der vehementen und durch intensives Wehklagen begleiteten Forderung, einen IndoorSpielplatz zu besuchen (Gesamteintritt ca. 50 EUR zzgl. Verzehr; angekündigte Tagestemperaturen bis 27 Grad bei strahlendem Sonnenschein).

Nach dreimaligem DurchfallwindelWechseln, ZahnPutzDrama, erneuter KlamottenTragödie (Socken sind komisch, diese-Bluse-ist-nur-für-Feste, Leggings vs. Rock featuring Badehose) verbringen wir dann meinen Vatertag schließlich überwiegend faul auf dem Balkon, wo ich meine vornehme Wadenblässe bekämpfe. Ich hatte mich zwar auf ein hohes Aktivitätslevel gefreut und gerne meine FahrradTour gemacht, aber der Familie zuliebe und als guter, moderner Vater stecke ich meine Bedürfnisse zurück und zeige ein zufriedenes Gesicht.

Im Halbschlaf beim Sonnenbaden träume ich dennoch davon, wie ich mit meinen leicht alkoholisierten Kumpels und einem Bollerwagen voll eisgekühlter alkoholischer Getränke gröhlend durch die Landschaft ziehe. Vielleicht wäre das ja mal ein Plan für den nächsten Vatertag…

Von Äpfeln und Birnen.

Eine junge Frau ging einst zum Friseur. „Alles ab 12 EUR“ stand auf einem Schild vor dem Laden geschrieben. Nach ausführlicher Beratung zu möglichen Schnitten, Tönungen, Strähnchen und der Aufklärung über die Risiken des Haarefärbens enschloss sich die junge Frau für einen modernen Schnitt, vorher Waschen, aufhellende Strähnchen und anschließendes Föhnen und Stylen. Mittendrin schlug der Friseur noch eine vitalisiserende Haarpackung gegen Haarspliss vor und die junge Dame stimmte dem zu und dachte: „Heute lass‘ ich mich mal so richtig verwöhnen!“ Auch das Angebot, geschminkt zu werden, nahm die Dame noch gerne in Anspruch und trank während des rund dreistündigen Aufenthalts beim Friseur 0,5 Liter Mineralwasser, einen Caffé Latte und zwei Espressi. Rundum glücklich und freudestrahlend schritt die Dame zur Kasse. Der Friseur tippte die Leistungen in seine Kasse und präsentierte die Rechnung über 102 EUR (Waschen, Schneiden, Föhnen, Haarpackung, Strähnchen, Schminken, Getränke). Die junge Dame protestierte, schließlich stehe auf dem Schild vor dem Laden ja „Alles ab 12 EUR“. Der Friseur kannte diese Argumentation und verwies routiniert auf das „ab 12 EUR“, dass also die günstigste Leistung 12 EUR koste und zusätzliche Arbeitsschritte – und diesen habe die Dame schließlich zugestimmt – kosten je nach Leistung mehr und würden entsprechend addiert werden. Es entbrannte eine hitzige Diskussion, der Friseur verwies zu Recht darauf, die Leistungen erbracht zu haben und diese ja nun nicht wieder rückgängig gemacht werden könnten. Und schließlich sei die Dame ja glücklich aus dem Friseurstuhl aufgestanden. Die Dame zahlte letztlich den strittigen Betrag, war nun schon nicht mehr ganz zufrieden mit ihrem Look und beschloss, diesen Friseur nicht mehr aufzusuchen.

Stattdessen suchte die junge Dame einen Therapeuten, um diesem im rasch vereinbarten Erstgespräch von ihrem Friseurbesuch zu erzählen und davon, wie sie immer von Menschen ausgenutzt werde. Der Therapeut bot freundlich kostenlosen Kaffee und Wasser an, hörte aufmerksam und geduldig zu und intervenierte mit forschenden Fragen und alternativen Sichtweisen. Ob eine Indikation zu einer Therapie bestehe, müsse dann in weiteren Sitzungen festgestellt werden. Im Laufe der folgenden 3 Sitzungen kam die junge Dame zu dem Schluß, dass sie keine Therapie benötige und die Weilt und ihre Mitmenschen einfach schlecht und böswillig seien. Sie bedankte sich beim Therapeuten für seine Hilfe, stand auf und wollte gehen. Da sagte der Therapeut zu der jungen Dame, dass er ihr seine Rechnung für die erbrachten Leistungen dann per Post schicken werde. Die junge Dame reagierte irritiert und fragte den Therapeuten, weshalb er plane Ihr eine Rechnung auszustellen. Schließlich habe sie ja die ganze Zeit geredet, dabei Wasser und Kaffee getrunken, der Therapeut habe nur ab und an „Mhm“ gesagt und dumme Fragen gestellt, weil er offensichtlich zu doof sei, ihr zu folgen. Getan habe der Therapeut ja mal rein gar nichts und soooviel besser gehe es ihr nun auch nicht. Ohnehin heile die Zeit alle Wunden und seit ihrem Friseurbesuch seien immerhin bereits rund 6 Wochen vergangen. Da könne man nun wirklich nicht sagen, dass diese Larifari-Gespräche was gebracht hätten. Empört verließ die junge Dame die Praxis und schleuderte dem Therapeuten noch entgegen, dass er ja nur wieder einer sei, der sie ausnutze.

Der Therapeut wartet bis heute auf die Liquidation seiner erbrachten Leistungen. Dabei müsste er doch wirklich dringend mal wieder zum Friseur.

Einer flog übers Arbeitsamt

Verdammter Mist! Jetzt hab ich doch schon wieder meine Arbeit verloren. Das passiert mir altem Schussel aber auch immer wieder! Ich müsste mir wirklich viel besser merken, wo ich meine Arbeit hingelegt habe oder zumindest einen fixen Platz für meine Arbeit definieren. So eine Art „festen Arbeitsplatz“ sozusagen. Leider muss ich reumütig zugeben, dass ich in der Vergangenheit am Arbeitsplatz auch mal privat im Internet gesurft bin. Ein bösartiger Virus könnte also meine Arbeit dahingerafft haben. Ein „sicherer Arbeitsplatz“ wäre mal zur Abwechslung wünschenswert. Einen, den man vielleicht durch eine Firewall schützen oder zumindest mit einem Fahrradschloss an einem Laternenmast festketten kann. Die neue Tätigkeit sollte auch mental stabil, persönlich gefestigt und damit „krisensicher“ sein. Als nächstes strebe ich in jedem Fall eine Arbeit an, welche gänzlich egoistisch und damit resistent gegen jeden Sozialplan ist. Der neue Job dürfte auch nichts mit Rohstoffen zu tun haben, ansonsten droht der rigorose Abbau.

Nun stirbt die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt und so bin ich erst einmal den ganzen Arbeitsweg nochmal zurückgegangen und habe sorgsam auf dem Boden sowie im Bus auf und zwischen den Sitzen geschaut. Von meiner Arbeit keine Spur. Auch ein Windstoß könnte meinen Arbeitsplatz weggefegt haben, also auch rechts und links des Weges Augen auf! Alles vergebens: ich habe meine Arbeit nicht wiedergefunden.

Damit ist nun wohl der unwiederbringliche Verlust meines Arbeitsplatzes zu beklagen. Und was macht man in diesem Falle? Richtig: man geht zum Arbeitsamt, das sich selbst nun schon beinahe zwei Jahrzehnte „Agentur für Arbeit“ nennt. Schon mit Betreten des Gebäudes schrumpfe ich körperlich um etwa 5 cm, der Verlauf meiner SelbstwertKurve nimmt bei zunehmender Aufenthaltsdauer die Form einer Exponentialfunktion an und nähert sich mit negativer Steigung asymptotisch der X-Achse. Also lieber so schnell wie möglich raus da. Ich mache jedoch den Fehler, meine EDV Kenntnisse als „ ganz gut“ einzuschätzen und lande in der Abteilung „DSE“, was für „Datenselbsteingabe“ steht. Dort darf ich mein Profil selbst anlegen und meine Kenntnisse und Fähigkeiten definieren. Unter „Sprachkenntnisse“ werden tatsächlich auch deutsche Dialekte abgefragt. Bei meinem Heimatdialekt „schwäbisch“ gebe ich großspurig „verhandlungssicher“ an, „pfälzisch“ stufe ich mit „erweiterte Kenntnisse“ ein, weil ich in dieser Region studiert habe. Im Nachhinein hoffe ich, dass mir dieser Anflug von linguistischem Größenwahn nicht irgendwann zum Nachteil gereicht. Weiter geht es zur Kategorie „Spezielle Einsatzorte“. Ich wundere mich, dass man auf Bohrinseln entgegen meiner Erwartung keine „vertiefenden Kenntnisse“ benötigt. Da ich ohnehin schnell seekrank werde, sind meine „Grundkenntnisse“ im Schorcheln obsolet. Nachdem mein PC Arbeitsplatz in der Agentur für Arbeit zweimal bei der Dateneingabe fast abgestürzt wäre, bin ich nach anderthalb Stunden auch schon fertig mit dem „schnell mal arbeitslos melden“. Kurz bevor mein Selbstwert die x-Achse durchbohrt, hechte ich aus der Arbeitsagentur in die trügerische Freiheit. Vor den Toren der Agentur weht mir dann aber schon der eisige Wind der Realität ins Gesicht. Es hat 1,5 Grad Celsius, Nieselregen und der Bordcomputer meines Autos vermeldet „Frostgefahr“. Also bei so einem Sauwetter suche ich bestimmt nicht nochmal meine verlorene Arbeit!

Stempeln geh’n

„Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars,
Zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars,
Dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt
Zum Behuf der Vorlage beim zuständ‘gen Erteilungsamt.“
Reinhard Mey

Vor einigen Tagen erhielt ich ein Schreiben der hessischen „Landeskammer für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“, abgekürzt „LPPKJP“ (die heißen wirklich so…). Darin gratuliert diese mir herzlich zur erlangten Approbation. Von mir haben die das nicht erfahren, wo ich doch weiß, dass dann ein Kammerbeitrag in nicht unbeträchtlicher Höhe fällig wird. Die Kammer hat das – vermutlich auf elektronischem Wege – vom „Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen“, abgekürzt „HLPUG“ (auch das heißt tatsächlich so) erfahren. Das HLPUG hat mir gegen eine nicht unwesentliche Gebühr auch die Prüfung abgenommen und meine Approbationsurkunde ausgestellt. Die Kammer fordert mich nun weiterhin mit dem Schreiben auf, Angaben zu meiner Person, Adresse, Tätigkeit etc. zu machen. Um meine Approbation nachzuweisen, muss ich dann noch eine beglaubigte Kopie meiner Approbationsurkunde mitsenden. Diese wurde ja – wie bereits geschildert – vom HLPUG ausgestellt, eben jener Behörde, welche die Kammer offenkundig von meiner erfolgreichen Approbation unterrichtet hat.

Ich wundere mich nicht, denn schließlich kenne ich das Prozedere von der Beantragung meiner „Lebenslangen Arztnummer“, abgekürzt „LANR“ (hat nix mit LAN Parties zu tun). Auch hier waren neben einer beglaubigten Kopie meiner Geburtsurkunde, einer beglaubigten Kopie meines Diplomzeugnisses, der Vorlage meines Personalausweises ebenso die beglaubigte Kopie meiner Approbationsurkunde erforderlich. Ich durfte also – wie bereits bei der Anmeldung zur Approbationsprüfung – meine tatsächliche Existenz durch Geburtsurkunde und wahrhafte Identität durch Vorlage meines Bundespersonalausweises (biometrisch und fälschungssicher) nachweisen.

Wie dem auch sei: ich ging zur „Erledigung meiner Amtestätigkeiten“ (Wilhelm Busch) für die Kammer frohen Mutes auf das Bürgerbüro, wo mir am gemäßigt frühen Freitagmorgen der tatsächlich sehr freundliche Verwaltungsmitarbeiter mit einer gefüllten Kaffeetasse entgegen kam und versicherte, dass er Kaffeepause und Beglaubigung sehr gut parallel abhandeln könne. Ich war sodann Zeuge einer graziösen und kunstvollen Choreografie. Der Verwaltungsmitarbeiter schritt zum Kopierer (pro Kopie 20 EuroCent) und kopierte die zwei Seiten meiner Approbationsurkunde (je zu beglaubigender Seite 3 EUR). Jedes einzelne Blatt wurde mit der Bestätigung der Übereinstimmung von Original (Approbationsurkunde) und Ablichtung (Kopie der Approbationsurkunde) übereinander gelegt. Sodann die oberen linken Ecken schwungvoll um einige Milimeter versetzt und akkurat geknickt und mit einer Heftklammer zusammengefügt, wobei die Heftklamer eindrucksvoll parallel zur Heftkante gesetzt wurde (ich habe es nachgeprüft). Zuletzt gab es pro Ablichtung mit angehefteter Bestätigung der Übereinstimmung sage und schreibe DREI Stempel auf den kunstvoll überlappenden Knick – vorne, hinten und in der Mitte – sowie eine Unterschrift des Verwaltungsmitarbeiters. Zuletzt bat ich noch um eine Quittung über die fälligen SechsEuroundvierzigCent, denn schließlich wollen die Finanzbehörden auch mit chlorfrei gebleichtem 80g-Papier gefüttert werden. Derart ausgestattet verließ ich satt und zufrieden die Verwaltungsbehörde.

Voller Stolz halte ich nun meinen Meldebogen für die hessische Landeskammer für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (LPPKJP) in den Händen. Zusammen mit der beglaubigten Ablichtung meiner Approbationsurkunde – Original ausgestellt vom Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen HLPUG – kommt so ein fingerdicker Umschlag heraus, welchen ich alsbald postalisch per Einschreiben versenden werde.

Weshalb das notwendig ist, wo doch LPPKJP vom HLPUG von meiner Approbation erfahren hat, bleibt zwar ein Mysterium. Jedoch habe ich das untrügliche Gefühl ein gutes und großes Werk für mein Land getan zu haben.

EPILOG: mein nächster Patient ist Mitarbeiter einer deutschen Behörde. Laut Telefonat leidet er unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und ihn plagen Alpträume, in denen er von fratzenhaften, mannsgroßen ZombieStempeln gejagt wird.